Stefan Langer und die vielen Gesichter der Wiener Laufszene
Stefan Langer ist selbstständiger Rechtsanwaltm hat genug zu tun und läuft trotzdem praktisch jeden Tag. Und Langer ist nunmehr der Erste, der zum zweiten Mal bei LAUF ALTER zu Gast ist.
Er organisiert den Weekly Long Run, Wiens bekannteste Sonntags-Laufcommunity für lange, ruhige Läufe. Freitags um sieben Uhr trifft er sich mit den Belvedere Hills zum Hügeltraining. Dienstags läuft er Intervalle beim Team Ausdauercoach. Samstags ist er zuweilen in doppelter Funktion beim Parkrun im Donaupark dabei, einmal als Läufer und einmal als freiwilliger Helfer. Dazu kommen noch ein bis zwei Läufe allein.
Besonders ausführlich spricht Langer über den Parkrun, jene kostenlose, weltweite Fünf-Kilometer-Bewegung, die inzwischen auch in Österreich sechs Standorte zählt: Wien, Salzburg, Linz, Graz, Klagenfurt und Innsbruck. Ein siebter Standort im Auer-Welsbach-Park zwischen Schönbrunn und dem Technischen Museum ist bereits in Planung. Langer selbst ist schon an 24 verschiedenen Standorten weltweit gelaufen, darunter zweimal in Japan, wo er extra für den Parkrun einen zusätzlichen Samstag in seine Reiseplanung einbaute.
Wie unterschiedlich das Flair trotz einheitlicher Regeln sein kann, zeigt er an mehreren Beispielen. In Kanazawa in Japan standen an jeder noch so kleinen Richtungsänderung eigene Streckenposten, die den Weg wiesen. In Treviso in Norditalien gibt es keinen Parkrun-Kaffee in der Nähe, weil dort einfach nichts ist. Stattdessen bringen die Läuferinnen und Läufer selbst Kuchen und heiße Getränke mit und plaudern gemeinsam im Park. Beim Aberdeen Parkrun an der schottischen Küste saß er anschließend mit vielen anderen im Café, und im Vereinigten Königreich sind die Teilnehmerzahlen ohnehin viel größer. Der allererste Parkrun überhaupt, Bushy Park in London, zählt bis heute vierstellige Teilnehmerzahlen jeden Samstag. Im Oktober reist Langer mit einigen Leuten aus dem Wiener Parkrun-Team zu einem Event nahe der tschechisch-polnischen Grenze, wo im Schnitt nur zwölf bis fünfzehn Menschen laufen. Kommt die Wiener Gruppe dazu, verdoppeln sie die Teilnehmerzahl fast im Alleingang.
Auch aus Berlin hat er ein Beispiel parat, das zeigt, wie ein zweiter Standort einer Stadt nicht schadet, sondern zusätzliche Menschen zum Laufen bringt: Als dort am Tempelhofer Feld ein neuer Parkrun eröffnete, gingen die Zahlen am etablierten Hasenheide-Parkrun zunächst leicht zurück. Zählt man aber beide Standorte zusammen, sind es heute insgesamt mehr Läuferinnen und Läufer als vorher.
Was ihn am Format begeistert, ist die radikale Niederschwelligkeit. Jedes Tempo ist willkommen, egal ob schnell, gehend oder als Pacer für andere. Die Durchschnittszeit in Wien liegt bei rund 29 Minuten. Das ist bewusst so gewollt, denn eine steigende Durchschnittszeit bedeutet, dass immer mehr Menschen einsteigen, die vorher gar nicht gelaufen sind.
Zum großen Social-Run-Boom mit seinen tausenden Instagram-Followern hat Langer eine gelassene Haltung. Er sieht darin keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Jede Gruppe, die Menschen zum Laufen bringt, ist aus seiner Sicht gut, egal ob der Fokus dabei auf Social Media oder auf der reinen Bewegung liegt.
Dank an RUNNING & Fitness, Österreichs Laufmagazin Nummer eins unterstützt diesen Podcast in seiner dritten Saison!



